Emily holt sich eine Waffe

 

Von Emily Miller

http://www.washingtontimes.com/blog/guns

Übersetzung Gunter Hick

 

5. Oktober 5, 2011

 

Ich will eine Schußwaffe. Ich fühle mich in Washington DC nicht sicher und möchte mich schützen. Ich fange heute damit an, dass ich zum Waffenamt ins Rathaus gehe und ihnen sage “Ich will eine Schußwaffe.” Diese Serie dokumentiert meinen Weg durch Bürokratie veraltete Regeln um legal eine Schußwaffe zu beschaffen.

 

Mein Wunsch nach einer Schußwaffe nahm seinen Ausgang als ich mehr als ein dutzend Krimineller in einer sonst leeren Sackgasse mit nichts mehr als meinem Blackberry bezwingen musste.

 

Es war am Neujahrstag 2010 und ich hatte bei Freunden übernachtet um auf deren Hund aufzupassen während sie in Urlaub waren. Ich kam gerade von einem Spaziergang mit dem Hund zurück, als ein Mann aus dem Haus kam. “Was machen Sie da?” fragte ich, da mir die Situation nicht ganz geheuer war. Der Golden Retriever stand einfach neben mir während ich seine Leine hielt.

 

“Wir putzen den Pool” sagte der Mann. Er schien nervös und seine Augen waren blutunterlaufen.

 

Ich war ziemlich sicher, dass meine Freunde mitten im Winter sicher keinen Poolservice angerufen hatten. “Nein, das waren bestimmt nicht wir.” sagte ich.

 

“Ach, dann müssen es wohl die Nachbarn gewesen sein”, sagte er mit einem nervösen Lächeln und eilte davon.

 

Ich hatte die Eingangstüre unversperrt gelassen, da ich bloß 10 Minuten mit dem Hund raus wollte. (Ich weiß, nie wieder!) Ich war auch nachdem der Mann gegangen war immer noch misstrauisch, also ging ich hinein, schnappte meinen Blackberry und schaltete die Kamera ein. Ich ging ein Stück die Straße hinunter, und hinter der nächsten Ecke sah ich etwa 15 heruntergekommene junge Männer um zwei Pickups herumstehen. Wir waren am Ende einer bewaldeten Sackgasse.

Nervös hielt ich meine Blackberry hoch um schnell ein Foto von der Gruppe und der Kennzeichen zu schießen. Plötzlich kam der Kerl mit den blutunterlaufenen Augen hervor und blockierte die Kamera. “Was machst du da?” fragte er. Ich sah mich im Zentrumn der Aufmerksamkeit der ganzen Gruppe und hatte plötzlich Angst. “Nichts, ich ähhh gehe gerade” sagte ich, als ich meinen Blackberry einsteckte und ging zurück ins Haus.

 

Stunden später, während einer Neujahrstagsparty läutete mein Telefon. Meine Kartengesellschaft fragte wegen einiger eigenartiger Buchungen auf meiner Kreditkarte nach. Ich sah in meiner Geldbörse nach und stellte fest, dass das Bargeld und die Kreditkarten fehlten. Plötzlich wurde mir bewusst, dass “pool guy” wohl im Haus gewesen war.

 

Ich rief sofort die Polizei an und traf mich mit der Streife beim Haus. nachdem ich meine Geschichte erzählt hatte, ließen sie einen Kriminalbeamten herkommen. Der machte mir heftige Vorwürfe weil ich ganz alleine die Kriminellen konfrontiert hatte. Sie durchsuchten das ganze Haus um sicher zu gehen, dass keine Fenster oder Türen unversperrt geblieben waren, falls die Täter später wiederkommen wollten. Jetzt hatte ich richtig Angst. Ich hatte versprochen, auf den Hund aufzupassen, also musste ich über Nacht bleiben.

 

Ich war ganz alleine in einem leeren Haus mit einem nutzlosen Hund. Die Nacht verbrachte ich im Schlafzimmer bei verbarrikadierter Tür. Ich habe nicht viel geschlafen. Ich dachte immer daran, wieviel sicherer ich mich fühlen würde, wenn ich bloß eine Schußwaffe im Nachtkästchen gehabt hätte.

 

Am nächsten Tag trug ich meinen Wunsch auf Twitter vor. Die Antworten waren recht enttäuschend: “Kein Recht auf Waffenbesitz in DC”. “Es gibt genau einen Waffenhändler in DC, viel Glück damit”. “Frag bei der NRA”. Mir war bewusst, dass das Verfassungsgericht erst vor kurzem das Waffenverbot in Washington DC als verfassungswidrig aufgehoben hatte, daher war mir die Reaktion der Waffenbesitzer unverständlich. Meine Freunde kamen am nächsten Tag zurück, aber ich fragte mich immer noch, ob ich denn wirklich keine Schußwaffe kriegen könnte und warum.

 

Im folgenden Sommer kam Bürgermeisterkandiat und Stadtratsvorsitzender Vincent Gray zum Grätzelfest. Während Mr. Gray bei den Basketballfeldern hände schüttelte ging ich auf ihn zu und sagte, dass ich zwei Dinge haben wollte: die Falschparker-Strafmandats-Offensive stoppen und eine Waffe anschaffen.

 

Sein Lächeln verflüchtiget sich. “Eine was?” fragte er und beugte sich zu mir um mich besser hören zu können.

 

“Eine SCHUSSWAFFE. Ich will eine Schusswaffe” sagte ich nachdrücklich “Ich weiss nicht was in dieser Stadt los ist, aber niemand scheint auf das Verfassungsgericht zu hören.”

 

“Also, ähm, Emily, ist das richtig? Darf ich Ihnen meinen Wahlkampfmanager vorstellen?” sagte Mr. Gray, und brachte mich zu einem Typen mit einem Clipboard. Das ist das Politikeräquivalent zu “sprich zur Hand”. Inzwischen ist Mr. Gray zum Bürgermeister gewahlt worden.

 

Kürzlich kam der aktuelle Stadtradtsvorsitzende, Kwame Brown in das Büro der Washington Times zu einem Interview. Nachdem er zu den Themen Budget, Lotterie, Ethic und Bildung befragt worden war, zeigte ich auf. “Können Sie zum Thema Schußwaffen in DC etwas sagen?”

 

“Haben sie Schußwaffen gesagt?”

 

“Schußwaffen” wiederholte ich und hielt meine “Fingerpistolen” hoch wie sie es bei Charlie’s Angels machen.

 

“Ach, sie benutzen beide Finger” lachte Mr. Brown, “Sie sind wohl Schützin.”

 

Ich spielte beim Lachen nicht mit. “Nun, ich versuche eine Schußwaffe zu bekommen” sagte ich.

 

Das wird wohl nicht leicht werden.

 

Ich will eine Waffe zum Schutz, aber es scheint dass die Stadtverwaltung gegen mich arbeitet. Es gibt nur einen Weg das herauszufinden, und zwar indem ich durch alle Reifen springe.

 

 

6. Oktober 2011

 

Das D.C. Waffenamt ist nicht der Ort, wohin man um Hilfe bei der legalen Beschaffung einer Waffe geht; es ist der Ort, an dem man von der Bürokratie verwirrt wird.

 

Am Mittwoch fand ich im D.C. Polizeihauptquartier gleich hinter den Metalldetektoren eine Türe mit der Aufschrift “Waffenregister”. Das ging aber leicht, dachte ich. Hinter der Glastüre lag ein schmales Büro mit einem von einem weiblichen, uniformierten Polizisten bemannten Tresen.

 

“Ich bin wegen einer Schußwaffe hier” sagte ich. Ich war die einzige dort. Auf ihrem Schild stand “D.A. Brown”.

 

“Sie möchten ihre Waffe registrieren lassen?” fragte Officer Brown.

 

“Nein, nein, ich habe noch keine Waffe. Ich möchte einen Waffenschein haben” sagte ich.

 

“Das hier ist D.C., hier gibt es keine Waffenscheine. Sie können nicht mit einer Waffe herumlaufen. Es ist bloß für die Verteidigung zu Hause erlaubt” sagte sie. Ich war total verwirrt. Was genau der Unterschied wäre, wollte ich wissen. “Sie können ihre Waffe nicht so herumtragen wie ich”, sagte sie und zeigte auf ihre geholsterte Waffe. “Waffenschein kriegen sie keinen. Sie können nur eine Waffe kaufen und registrieren lassen.”

 

Sie begann stapelweise Formulare zwischen uns auf den Tisch zu legen. “Da steht alles drin, was Sie brauchen” sagte sie. “Füllen Sie das Formular aus. Passen Sie auf, da ist eine Fangfrage drinnen. Und das geben sie Sykes.”

 

“Wo soll ich da anfangen?” fragte ich und legte alles auf einen Stapel.

 

“Erst die Waffe kaufen und dann registrieren lassen” sagte sie.

 

“OK, und wo kaufe ich die Wafe?” fragte ich.

 

Die Beamtin war sichtlich verdrießlich wegen meiner Fragen. “Bei jedem lizensierten Händler in einem Bundesstaat oder im Internet” sagte sie, “allerdings muss sie auf der für DC genehmigten Liste stehen.”

 

“Wo finde ich die Liste? Ist es egal welche Waffe ich kaufe?”

 

“Wenn Sie eine Glock haben wollen dann geht das,” sagte sie. Von der Glock hatte ich im Fernsehen erfahren. “Einfach kaufen, und dann geben sie Charles Sykes einen Stock tiefer das Formular und er wird sie für Sie abholen. Wenn Sie eine Pistole kaufen, dann nur mit 10 Schuss Magazinen.”

 

“Ein 10 was?”

 

“Magazin. Das Magazin ist das, wo man die Patronen reingibt” sagte sie. Offensichtlich war sie es leid, diese Frage immer wieder zu beantworten. “Schauen Sie, ich versuche Ihnen zu helfen, aber es steht alles hier drin, sie müssen das selbst lesen.”

 

Ich bedankte mich und setzte mich draussen hin um den Stapel Papier durchzuschauen. Nach ein paar Minuten kam Oficer Brown mit noch einem Blatt heraus. “Sie müssen auch eine Sicherheitsschulung absolvieren, diese Leute halten die Kurse ab. Steht alles drin, aber hier haben Sie ein paar Namen.”

 

Ich legte das Blatt dazu und las weiter. Während der ganzen Zeit die ich dort war kam nur ein eiziger anderer Kunde vorbei. Offenbar hat man es in DC nicht eilig mit dem Registrieren von legalen Waffen. Um viertel vier ging sie festen Schrittes aus dem Büro, einen dicken schwarzen Ordner unter dem Arm. Sie versperrte die Türe und brachte ein Schild an: “BÜRO DERZEIT NICHT BESETZT. BIN BALD ZURÜCK.”

 

Da ich nicht weiter wusste, machte ich mich daran, den einzigen Mann in ganz DC zu finden, der mir eine legale Waffe beschaffen konnte, Charles Sykes. Seine Firma war nicht im Regierunggebäude untergebracht.

 

In der nächsten Folge… ein Interview mit dem einzigen lizensierten Waffenhändler in DC.

 

 

11. Oktober 2011

 

Zimmer 1140 beim Verkehrsamt trägt ein kleines Schild mit der Aufschrift “CS Exchange” und einen Zettel mit einem Hinweis, dass man hier an der falschen Stelle ist, falls man einen Strafzettel fürs Falschparken beeinspruchen möchte. Hinter der unauffälligen braunen Türe liegt das private Büro des einzigen in DC lizensierten Waffenhändlers: Charles Sykes.

 

Man kann in der Hautpstadt der USA nicht einfach shoppen gehen und eine legale Waffe heimbringen. Kauft man eine Pistole in einem anderen Bundesstaat, entweder persönlich oder im Netz, kann man sie sich auch nicht nach Hause schicken lassen, und auch nicht selbst über den Potomac bringen.

 

In dem ganzen, 21 Seiten starken Dossier, das einem als zukünftigem Waffenbesitzer beim Waffenregister übergeben wird steht kein einziges Wort darüber, wie man seine registrierte Schußwaffe auch tatsächlich in die Stadt bringen könnte. Der einzige Hinweis ist eine kopierte Visitenkarte von Mr. Sykes, die am Formular angeheftet ist.

 

Letzte Woche habe ich sein Büro gesucht, das in demselben riesigen Bürokomplex untergebracht ist wie das Polizeihauptquartier. Die Türe war versperrt. Ich wartete eine Weile auf dem Gang bis ein Mann deherkam und barsch fragte “Was machen Sie hier?”

 

“Ich würde gerne mit Mr. Sykes wegen einer Waffe sprechen” sagte ich. Er starrte mich hart an.

 

“Haben Sie denn einen Termin?” fragte er. Ich hätte keinen, sagte ich, und hoffte ihn kurz sprechen zu können.

 

“Ich bin Charles Sykes” sagte er, “Ich bin nur nach Terminvereinbarung zu sprechen. Aber sie sind da, also kommen Sie kurz herein.” Wir betraten sein heruntergekommenes Regierungsbüro.

 

Ich fragte ihn über den Weg zum legalen Waffenbesitz, und, nach ein paar Minuten entspannte er sich und sprach offener darüber. Als Waffenhändler seit 1994 kennt sich Mr. Sykes nur zu gut mit den bürokratischen Hindernissen aus, die gesetzestreue Bürger beim Kauf einer Schußwaffe behindern oder gar abschrecken sollen. “Ich verstehe nicht, warum sie es braven Bürgern so schwer machen, legal an eine Waffe zu kommen” sagte er.

 

Bevor das Waffenverbot des Distriktes im Jahr 2008 als verfassungswidrig aufgehoben worden war, konnte Mr. Sykes nur für Polizeibeamte und Sicherheitsfirmen Waffen importieren. Seit dem Urteil im Fall Heller sind nur etwa 1500 Waffen registriert worden, etwa die Hälfte davon Neuanschaffungen. Während also im Rest des Landes die Waffenverkäufe explodiert sind, haben die Bewohner von DC gerade mal 250 Waffen pro Jahr gekauft.

 

Trotz seinem totalen Monopol für den Waffenimport in DC beklagt sich Mr. Sykes “Ich verdiene nicht viel dabei”. Die Gebühr für das Abholen der Waffe und den Papierkrieg beträgt USD 125. Die Nachfrage reicht gerade für vier Stunden Arbeit rund um die Mittagszeit. Abends macht er etwas anderes, um sein Einkommen zu verbessern.

 

Während der dreiviertel Stunde in der wir uns unterhielten kam niemand anderer vorbei. “Sie sehen keine lange Schlange vor der Tür? Liegt wohl daran, dass es hier keine iPads oder iPhones gibt, wo die Leute die Nacht über am Gang kampieren, nur um die ersten zu sein” lachte er.

 

Im letzen Mai hatte Mr. Sykes sein Mietbüro verloren, weil das Bürogebäude verkauft worden war. Die Stadt benutzte ein verirrtes Wort im Gesetz um sein Geschäft als “Schusswaffen Einzelhandelsunternehmen” zu klassifizieren, was es fast unmöglich machte, einen neuen Standort zu finden. Die Klassifizierung bedeutete, dass er sich nicht innerhalb der Länge eines Fussballfeldes von einer Schule, Kirche, Wohnhaus oder öffentlichen Bibliothek ansiedeln durfte. In dieser eng gepackten Stadt blieben keine Büros mit vernünftigen Mietpreisen übrig. Die Stadt stellte ihm zwar eine Karte kleinen Masstabs mit möglichen Standorten zur Verfügung, die hatte aber nicht einmal Straßennamen vermerkt.

 

Aufgrund eines laufenden Gerichtsverfahrens musste die Stadtverwaltung jedoch fürchten, ohne lizensierten Waffenhändler in der Stadt könnte der Richter gegen sie entscheiden, da es de facto keine legale Möglichkeit zum Waffenkauf gebe. Als Mr. Sykes dann vorschlug, sich in einem Regierungsgebäude einzumieten, gaben sie nach und wiesen ihm das derzeitige Büro zu. Er hat sechs neue Lizenzen and der Wand hängen, die zeigen, welcher Papierkrieg damit verbunden war. Sein Geschäft betreibt er seit August und hat einen auf 1 Jahr beschränkten Mietvertrag.

 

Neulich habe ich Stadtratsvorsitzenden Kwame Brown gefargt, ob er den Zweiten Verfassungszusatz befürwortet. “Ich bin dagegen, dass es in DC mehr Schußwaffen geben soll,” sagte er, “ich glaube nicht, dass wir noch mehr Waffen in unseren Straßen brauchen.”

 

Mr. Sykes schüttelte darüber nur den Kopf. “In allen anderen Städten kann man legale Waffen bekommen. Warum sagen sie ‘Wir wollen keine Waffen in der Hauptstadt’? wenn die illegalen Waffen schon da sind. Und man kann sie an vielen Orten so leicht bekommen,” sagte er, während er mit den Fingern schippte.

 

Ganz offensichtlich hat die Stadtregierung den legalen Schußwaffenbesitz zu einem schwierigen Prozeß gemacht. Aber ich bin entschlossen, alle ihre Hindernisse zu Überwinden. Mein nächster Schritt ist es, den Papierkrieg und die Formulare des Waffenregisters zu erledigen.

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